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Alaskan Malamute

Samojede

Grönlandhund

Nordische Hunde zwischen Rennschlitten und Tierheim


Sie sind faszinierend, denn allein durch ihr Äußeres vermitteln die Nordischen oder auch Arktischen Hunderassen den Eindruck von Wildheit und Urwüchsigkeit.

Ganze Kerle sind sie, bei deren Anblick man sich gut vorstellen kann, dass unsere Haushunde Nachfahren des Wolfes sind. Umso erstaunlicher mag es manchem erscheinen, dass gerade die Nordischen Hunde besonders menschenfreundlich und anhänglich sind (Ausnahmen gibt es natürlich immer.) Daher eignen sie sich beispielsweise auch überhaupt nicht als Wach- oder Schutzhunde. Schon eher als Wärmflasche.

So soll es unter manchen Eskimostämmen üblich gewesen sein, nachts einen oder mehrere Hunde mit ins Iglo zu nehmen, um deren Körperwärme zu nutzen. Die Anzahl der privilegierten Hunde, die deshalb nicht draußen schlafen mußten, richtete sich nach dem jeweiligen Kältegrad. Der Namen einer bekannten Rockband zeugt von diesem Brauch: „Three Dogs Night“ heißt sie, und das bedeutet so viel wie „eine ziemlich kalte Nacht“!

Es gibt ungefähr dreißig Hunderassen, die zu den Nordischen Hunden zusammengefasst werden, Rassen aus Rußland einschließlich Sibirien (Laika), aus Alaska, Kanada, Japan (Akita Inu) und vor allem natürlich aus Skandinavien einschließlich Grönland (Finnenspitz, Norwegischer Elchhund, Islandhund, Jämthund, Schwedischer Lapphund).

Die klassischen Schlittenhunde sind nur ein kleiner Teil der weit gestreuten Nordischen Rassen. Dennoch sollen sie uns hier am meisten interessieren, denn sie sind es, die bei uns am populärsten sind und – leider auch in entsprechender Zahl – unsere Tierheime bevölkern. Viele Tierschützer sprechen übrigens häufig lieber von „Nordischen Hunden“ oder „Polarhunden“ als von „Schlittenhunden“, weil sie nicht noch die allgemein übliche Auffassung unterstützen wollen, nach der diese Hunde nur dann einigermaßen artgerecht gehalten werden können, wenn sie vor einem Schlitten herlaufen.


Rennen und Strapazen

Zum einen sind die Rennen ganz konkret umstritten. Laufen die Hundeführer (= Musher) mit ihrem Rudel "just for fun" und nehmen das Ganze nicht so wichtig - Sprich: kein Hund wird gegen seinen Willen gezwungen mitzulaufen und jedes Tier bei evtl. Ermüdung oder Schwäche sofort ausgetauscht oder ersatzlos aus dem Rennen genommen - dann haben die Tierschützer daran nichts auszusetzen. Vorausgesetzt die Hunde werden außerdem gut gehalten und versorgt, haben Familienanschluss, Zugang zum Haus und auch noch anderweitig Bewegung und Beschäftigung als einzig und allein durch Renn-Termine.

Ganz anders verhält es sich bei kommerziellen Rennen, bei denen es um viel Geld geht. Je höher das Preisgeld für den Sieger, so fürchten die Tierschützer, desto höher die Bereitschaft des Mushers, seine Hunde zu überanstrengen oder gar zu schinden. Auch Rennen über große Strecken oder Strecken, die mit besonderen Gefahren oder Mühen verbunden sind, lehnen Tierschützer ab. Dies gilt vor allem für Veranstaltungen in Nordamerika.

In die Kritik geriet auch das berühmte Iditarot („I did a rout“ – „Ich erledigte die Strecke“), das alljährlich an die bereits erwähnte Heldentat von Balto und seinen Gefährten und Artgenossen erinnert. Nur mit dem Unterschied, dass sich erstens damals, als es um Leben und Tod ging und das lebensrettende Serum für über hundert Diphteriekranke so schnell wie möglich von Anchorage nach Nome gebracht werden musste, mehrere Gespanne auf der mörderischen Strecke ablösten. Es war also eine Art Staffellauf.

Zweitens wurde der Impfstoff von der alaskischen Hauptstadt bis Nenana mit der Eisenbahn transportiert, also „nur“ die Strecke Nenana – Nome musste mit Hundeschlitten zurückgelegt werden. Doch das war den Veranstaltern nicht genug. Sie wollten das härteste Schlittenhunderennen der Welt ins Leben rufen und entschieden sich für die Strecke Anchorage – Nome, knapp 2.000 Kilometer lang quer durch Alaska.

Im März 1973 fand dies zum erstenmal statt. Seitdem ist das Iditarot der Traum aller Musher – für viele ihrer Hunde jedoch sicher ein Alptraum. Befriedigung menschlichen Ehrgeizes und Eitelkeit auf Kosten der Hunde. Auch bei uns wächst das Interesse an großen Hunderennen. Sie finden u.a. im Schwarzwald und in Thüringen statt. Und die Veranstalter wundern sich immer wieder, dass die Tierredaktion des Hessischen Rundfunks nicht voller Begeisterung darüber berichtet.


Kreation Rennhund

Natürlich blieben auch die Hunde selbst nicht vom menschlichen Ehrgeiz verschont. Noch windschnittiger, noch schneller, noch sprintfreudiger sollten die Polarhunde werden, damit das Siegertreppchen erklommen und ein schicker Pokal sowie mehr oder weniger hohes Preisgeld ergattert werden können. So begann man Jagd- und Windhunde in den Sibirischen Husky einzukreuzen. Es entstand der Alaskan Husky, der allerdings nicht als Rasse anerkannt ist.

Die Alaskan Huskies sehen recht unterschiedlich aus, erinnern rein optisch an besonders grazile Mischlinge. Kynologen, Tierschützer, ja sogar viele begeisterte Schlittenhundeführer sehen in Kreation und Einsatz der Alaskan Huskies eine große Gefahr: Sie sind u.U. tatsächlich noch schneller als die Sibirian Huskies. Sie verfügen jedoch nicht über deren Instinkte und Wesenszüge, die jahrhundertelang an die Arbeit mit dem Schlitten sowie ein Leben in Schnee und Eis angepasst worden sind.

Ein Husky „vom alten Schlage“ ist ausdauernder und robuster als der Alaskan Husky und weiß, wann er genug hat und nicht mehr kann. Hunden, bei denen Wind- und Jagdhund überwiegen, fehlt diese Klugheit mitunter. Stattdessen folgen sie spontan kurzfristigen Instinkten, was schlimme Folgen haben kann.

Innerhalb der verschiedenen Schlittenhundedachverbände wird darum heftigst gestritten: Die einen wollen nur reinrassige Schlittenhunde zu den Rennen zulassen (AGSD = Dachverband für Schlittenhundesport mit Hunden, die nachweisbar einer der vier anerkannten Schlittenhunderassen angehören), die anderen sehen das nicht so eng (DSSV = Dachverband für Schlittenhundesport mit Hunden, die in der Lage sind, einen Schlitten zu ziehen, wobei die Zugehörigkeit zu einer bestimmen Rasse unerheblich ist; Abstammungsnachweise sind entsprechend unnötig). Diese Debatte ist die einzige, die mir je vorgekommen ist, bei der das Pochen auf Reinrassigkeit ausnahmsweise einmal zum Vorteil der Hunde gereicht!
 
Austauschbares Sportgerät

Die „Erfindung“ des Alaskan Husky zeigt zudem, wie sehr die Nordischen Hunde zum Sportgerät verkommen. Da wird tatsächlich versucht, eine Rasse so zu verändern oder eine neue zu entwickeln, nur damit die Hunde noch schneller rennen! Doch damit noch nicht genug:

Diese traurige Tatsache führt zudem dazu, dass viele Sibirian Huskies – meist gleich als ganzes Gespann – gegen Alaskans ausgetauscht werden. So ungefähr, wie wenn jemand die Automarke wechselt – oder den Ski. Und nun raten Sie einmal, wo dann die sechs bis acht Sibirian Huskies landen? – Natürlich im Tierheim. Und so erklären sich u.a. auch die über hundert eingangs bereits erwähnten Huskies, die dringend ein neues Zuhause suchen!

Natürlich gibt es auch verantwortungsvolle Musher, für die die Hundehaltung eine Passion ist, und die so etwas nie tun würden. Aber die sind wohl eher die Ausnahme. Manchen werden auch ihre Hunde einfach nur zu alt, zu langsam. Sie wechseln nicht unbedingt die Rasse, sie wollen nur den Bestand verjüngen.

Ein weiteres Problem sind die vielen Schlittenhundrennen-Fans, die begeistert in den Sport einsteigen wollen, sich die entsprechenden Hunde anschaffen, dann aber merken, dass das doch nicht das richtige für sie ist, und die Tiere komplett als Gespann wieder abgeben. Erstaunlich groß ist die Anzahl derer, die den Zeit- und Arbeitsaufwand dieses „Hobbys“ massiv unterschätzen und sich schon bald nach etwas anderem umsehen.


Modehund

Gleichfalls aus dem steigenden Interesse an Schlittenhunderennen entwickelte sich der Modehund Husky & Co. Er macht ja auch etwas her, sieht imposant aus und gerät nicht nur bei Eis und Schnee jedem Spaziergänger zur Zierde.

Es gibt die unterschiedlichsten – und absurdesten – Beweggründe, sich einen Husky anzuschaffen. „Mein Mann wollte eigentlich keinen Hund. Aber wenn schon, dann einen Husky“, erzählte mir eine Frau, die ich mit einem temperamentvollen Rüden im Wald traf, „denn Huskies sind schön und bellen niemals!“ Interessantes Kriterium.

Es dauerte nicht lange und die junge Frau, die mit drei kleinen Kindern vollauf beschäftigt und überhaupt nicht in der Lage war, einen Husky ausreichend Zeit und Auslauf zu gewähren, fragte mich nach der Adresse der Polarhunde-Nothilfe. Schon nach wenigen Wochen wollte sie ihren Hund wieder abgeben. Also natürlich nicht nur durch die Musher, auch durch die vielen einzelnen unüberlegten Anschaffungen ist die Husky-Flut bei unseren Tierschutzorganisationen zu erklären.


Schlittenhunde und Tierschutz – Problem Tierheim & Vermittlung

Und da sitzen sie nun zu Hauf in den Tierheimen, überspringen oder überklettern die höchsten Zäune, drehen fast durch vor lauter Bewegungsdrang, leiden, weil ihnen die feste menschliche Bezugsperson fehlt, werden wieder zurückgebracht, weil sie ihren neuen Menschen doch zu anstrengend sind oder weil sie die Katzen, Kleintiere, Hühner und Ziegen gejagt haben, im schlimmsten Fall sogar erfolgreich.

Also gerade für diese Tiere ist es alles andere als einfach, gute und passende Plätze zu finden, Plätze, bei denen wirklich alles stimmt. Nur so kann eine wirklich befriedigende und erfolgreiche Vermittlungsarbeit aussehen. Doch viele Tierheime, vor allem die großen überfüllten, sind damit – schon rein zeitlich – überfordert.

Und so haben sich – ähnlich wie bei Jagdhunden und anderen Rassen oder Rassegruppen auch – verschiedene Tierschutzorganisationen gegründet, die sich in ihrer Arbeit speziell auf Nordische Hunde konzentrieren. Das ist sinnvoll und erfolgreich. Schade ist nur, dass sich, wie so oft im Tierschutz, die verschiedenen Vereine gegenseitig nicht immer „grün“ sind und normalerweise kaum zusammenarbeiten.

Dennoch übernehmen sie eine wichtige Aufgabe. Sie führen Listen und Wartelisten über die Polarhundebestände in den Tierschutzvereinen. Hunde, die im Tierheim(zwinger) zu sehr leiden, bringen sie auf kompetenten Pflegestellen unter und kümmern sich um die Vermittlung. Andere Interessenten schicken sie gezielt in die jeweiligen Tierheime.

Unter den jeweiligen Interessenten haben sie schon ein wenig vorsortiert und die zukünftigen Hundehalter auf deren Eignung abgeklopft. Da sie als Schlittenhundeexperten ganz besonders wissen, worauf es ankommt, nehmen sie den Tierheimen dadurch viel Arbeit ab und ersparen es den Hunden, evtl. doch wieder zurückgebracht zu werden.


Text: Claudia Ludwig:

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